Dienstag 17. Mai 2011 21:14 Alter: 6 Jahre

"Bin ich jetzt entmündigt?"

Gegenüber dem Betreuungsrecht bestehen immernoch viele Vorurteile, obwohl die Rechte der Betroffenen seit Anfang der 90er Jahre maßgeblich gestärkt wurden.

So wird häufig vermutet, die Einrichtung einer Betreuung habe die vollständige Aberkennung der bürgerlichen Rechte zur Folge: Eine Entwürdigung.

Andere lassen sich von dem missverständlichen Begriff "Betreuung" irreführen und vermuten, es gehe um die Versorgung älterer Menschen.

Dass das Betreuungsrechts tatsächlich aber die rechtliche Betreuung im Sinne einer rechtsgeschäftlichen Vertretung von Menschen regelt, die hierzu in bestimmten Bereichen nicht mehr in der Lage sind, ist nicht jedem geläufig.

Das mag daran liegen, dass im Vergleich zu anderen Rechtsmaterien das Betreuungsrecht noch relativ jung ist: Erst 1991 löste es das seit 1900 geltende "Entmündigung-, Vormundschafts- und Pflegschaftsrecht für Volljährige" ab. Das erklärt warum Betroffene auch heute noch die Einrichtung einer Betreuung mit einer umfassenden Aberkennung ihrer Rechte im Sinne einer Entmündigung gleichsetzen. Tatsächlich hatte das alte Vormundschaftsrecht den Verlust der Geschäftsfähigkeit, des Wahlrechts und der Testierfähigkeit zur Folge, was als diskriminierend empfunden wurde. 

Mit Einführung des Betreuungsrecht änderte sich dies grundlegend: Rechtlich betreute Personen bleiben grundsätzlich geschäftsfähig. Der jeweilige Betreuer ist nur in den Aufgabenkreisen vertretungsbefugt, in dem der Betreute Unterstützung benötigt. Er hat dabei den Willen des Betreuten im persönlichen Kontakt zu ermitteln und zu berücksichtigten. Um diesen Erfordernissen gerecht werden zu können, führt ein Berufsbetreuer in der Regel nicht mehr als 60 Betreuungen. Im Vergleich dazu war es zu Zeiten des alten Rechts nicht selten, dass ein Erwachsenenvormund bis zu 220 Mündel zu betreuen hatte.